Stand der Dinge

 

Wird wohl mal Zeit, dass ich darüber berichte, was bei mir gerade so alles – betreffs der Schriftstellerei – ansteht. Also, wie geht es nun weiter im Götterdunkel-Universum?

 

Neuer Roman?

 

Tatsächlich arbeite ich schon seit geraumer Zeit an einem spannenden Projekt – über das ich nichts sagen darf. Aus vertraglichen Gründen. Eigentlich sollte ein Self-Publisher so zügig wie möglich nachlegen, um sich als Marke zu profilieren. Da hatte sich mir nun diese Möglichkeit geboten, ein Buch in einem Verlag zu schreiben, und ich kann kaum damit angeben. Was mich besonders störte, war, dass es für eine lange Zeit so aussehen musste, als wäre ich, was das Schreiben anbelangt, weg vom Fenster. Was jedoch nicht stimmt. Das führte mich dazu, nebenbei an einem anderen Projekt zu arbeiten, das schon eine Weile als Banner da oben diverse Fragen aufwirft.

 

Was ist diese Web Novel?

 

Nun, eine Web Novel ist ein Roman, der komplett über das Internet veröffentlicht wird. Nicht als eBook, die Geschichte wird auf der Seite kostenlos lesbar sein. Regelmäßig werde ich ein neues Kapitel veröffentlichen. Wann es losgeht? Ich habe mir schon einen Termin, allerdings müssen noch einige Sachen bezüglich der Geschichte genauestens ausgearbeitet werden und um Testleser muss ich auch noch werben. Spätestens im Herbst soll es losgehen, vielleicht sogar noch davor.

 

Das ist eine ganz andere Art des Veröffentlichens und manche werden sich fragen, warum ich diesen Weg gehe. Ich habe meine Gründe und sehe darin auch viele Vorteile. Abgesehen davon will ich auch mal was Neues ausprobieren und die Möglichkeiten des Internets ausnutzen.

 

Und sonst so?

 

Die Website zieht möglicherweise wieder um. Jedoch wird die URL dieselbe bleiben. Wenn also alles reibungslos abläuft, wird man nur feststellen können, dass es ein paar mehr Funktionen und einen anderen Aufbau gibt.

 

Ich werde immer noch über dieses und jenes Fantasy-Zeugs bloggen. Mit derselben gewohnten Unregelmäßigkeit, wie zuvor. Besonders wenn die Web-Novel losgeht, wird das eine Sache sein, die ich erledige, wenn mir danach ist. Genügend Themen habe ich.

 

So, das war es erst einmal von mir.

 

Archetypen dürfen auch Charaktere sein

 

Haben wir das nicht alle schon mal gelesen? Da haben wir in unserem Fantasy-Werk einen Menschen. Dieser Mensch hat einen eigenen Charakter, seine eigenen Macken, Vorzüge, Tugenden und Fehler, die uns faszinieren und ihn sympathisch machen. Er hat seine eigene Geschichte, geht einen ungewöhnlichen Pfad. Er sticht aus der Masse der Menschen heraus, was ihm gerade erst zu einem Hauptcharakter macht.

 

 

 

Auf der anderen Seite haben wir einen Elfen. Nennen wir ihn Elfiel. Elfiel ist ein Elf. Und das ist alles, was wir wissen müssen.

 

 

 

Aber das sollte so nicht sein. Denn Elfiel hat das Recht, genauso ein Charakter zu sein, wie jeder andere Mensch. Dennoch läuft er aus irgendeinem Grund Gefahr, Elfiel, der Elf, zu sein. Nicht Elfiel, der Weinkenner, der Liebhaber, der Schatzsucher, der Eifersüchtige, der Unvernünftige. Am ehesten noch bekommt er archetypische Charakterzüge, die er gezwungen ist, mit allen anderen Mitgliedern der Elfenheit zu teilen. Er also gezwungen ist, einfach als Archetyp der Elfen zu fungieren. Tiefgang, Nuancen, Individualität? Wohl nicht.

 

 

 

Das rührt wahrscheinlich daher, dass selbst fantastische Fiktion sich auf Menschen konzentriert, ein Großteil der Charaktere Menschen sind, es meist um Reiche der Menschen geht. Der Autor ein Mensch ist, der Leser ein Mensch ist, der vielleicht Probleme hätte, sich in jemandes anderen Haut hineinzuversetzen. Für die gibt es in der Geschichte genug Platz, sie eingehender zu studieren. Die anderen Fantasy-Rassen tauchen da eher am Rande auf, sollen als „exotisch“ wahrgenommen werden. Schnell kann man den Fehler begehen, sie wie Stereotype darzustellen.

 

 

 

Dabei sollte Elfiel, der Elf, genauso „Mensch“ sein dürfen, wie jeder andere menschliche Charakter. Elfiel will bestimmt auch eine Familie gründen mit jemanden, den er liebt. Elfiel will bestimmt auch seinen Platz in der Welt finden und ein achtbares Leben führen. Elfiel hat bestimmt auch seine Macken und Vorlieben, Tugenden und Fehler.

 

 

 

Da mag einem vielleicht der Gedanke kommen, zuerst den Charakter zu beschreiben, und als letztes einzufügen, ob es sich um einen Menschen, Elfen oder sonst was handelt. Das kann man so machen, wenn die Fantasy-Rasse jedoch überhaupt keinen Einfluss auf den Charakter hat, dann ist sie nutzlos, hat keine Funktion in der Geschichte und der Welt. Die Fantasy-Welt braucht keine Menschen mit spitzen Ohren, mit grüner Haut oder extra viel Bart.

 

 

 

Elfiel lebt ein längeres Leben als Menschen, doch ähnlich den Menschen erwartet er, dass die Beziehung mit seiner Frau für den Rest ihrer beider Leben hält (ich beziehe mich hier nicht auf ein bestehendes Setting). Vielleicht wandelt er gerade deshalb den Pfad eines Abenteurers, um von der Heimat fern nicht gezwungen zu sein, jetzt sich zu vermählen und noch eine Weile ein freies Leben zu genießen. Denn die Zeit in der Ehe wird für ihn umso länger andauern. Vielleicht aber auch, weil er dadurch Ruhm und Macht erlangen will, um seine Chancen zu verbessern. Denn wenn es schon eine Frau sein soll, denn DIE eine.

 

 

 

Es geht darum, innerhalb des Archetypen eines Elfen oder welcher Fantasy-Rasse auch immer (wenn man denn überhaupt dem Archetyp treu sein will, diesen Artikel kann man sich im Grunde sparen, wenn Elfiel komplett andersartig, unmenschlich sein soll) dem Charakter sein eigenes Leben zu lassen, ihn ein Individuum sein zu lassen.

 

Die Sprache der Vögel

 

Die Magier in dem Roman Die Dämonenkrone machen so ziemlich das, was man von einem Magier heutzutage erwartet: Sie schmeißen ein paar Feuerbälle, hier und da Blitze, überzeugen die Menschen mit ihren Stimmen, von was auch immer sie wollen und sie haben einen Stab.

 

Ab und zu machen sie aber auch etwas, das nicht sonderlich spektakulär ist, aber mich trotzdem erfreut: Sie sprechen mit Vögeln.

 

Warum mich das erfreut? Ich bin kein großer Freund der sehr rollen- und videospielartigen Bücherwurm-Zauberer und Akademiker-Magier. Da geht mir zu oft das Mystische verloren und die power fantasy der Nerds scheint durch. Das Sprechen mit Vögeln jedoch atmet etwas urigen, mythischen Odem, geht es doch auf Odin und seinen zwei sprechenden Vögeln, Hugin und Munin, zurück. Wo Magie innerhalb des Fantasy oft zu normal erscheint, gibt es den Magiern etwas Fantastisches zurück. Zwar kann ich nicht sagen, ob der Autor sich wirklich direkt davon hat inspirieren lassen, doch scheint es sehr sicher, dass der gute Gandalf auf ihn basiert. Odin war unter anderem der Gott der Magie und Weisheit, und er wanderte als bärtiger Mann mit breitem Hut und weitem Mantel durch die Länder der Menschen. Gandalf und andere Zauberer Mittelerdes verstanden die Sprache der Vögel und reisten durch die Welt.

 

Natürlich sollte Sigurd/Siegfried nicht vergessen werden, der, nachdem er versehentlich das Blut des Drachen trank, auch die Vögel verstand. Sie warnten ihn vor dem Verrat des Zwerges Regin.

 

Die Vögel, genauer die Möwen, in Die Dämonenkrone warnten die kräftige Nordfrau Ihla auch, als sie gezwungen wurde, die Tränke eines Magiers zu trinken. Dann lachten sie sie aus. Ihla mochte die Möwen nicht.

 

Fantasy-Völker wie Protagonisten schreiben

 

Fantasy-Völker sollte man nicht leichtsinnig in die eigene Welt setzen. Am Ende wissen sie selber nicht, warum sie da sind, was der Sinn und Zweck ihrer Existenz ist. Einfach in die Welt geworfen, ungefragt, unverschuldet, nur, weil der Weltenbauer sie unbedingt durch seine Ländereien spazieren lassen will?

 

Der Weltenbauer kann sich darin verlieren, kulturelle Eigenarten, Baustile und genaue Lebensspannen seiner Völker zu beschreiben, aber dadurch werden sie noch lange nicht zu einem lebhaften Volk, das den Leser in fremde Welten zieht. Ethnographische Studien machen keine gute Fantasy.

 

Dagegen hilft, die Völker wie die Charaktere eines Romans zu beschreiben, sie in der Weltgeschichte agieren zu lassen wie Charaktere und sich im Sinne eines Charakterbogens über sie Gedanken zu machen.

 

 

Herkunft

 

Ah, hier reibt sich der Weltenbauer bestimmt die Hände! Dimensionsreisende, geschaffen aus dem Blut eines gefallenen Gottes, die Elemente in körperlicher Form. Der Weltenbauer kann sich voll austoben, wenn er will. Jedoch sollen besondere Hintergrundgeschichten nicht bloß da sein, um den Leser zu beeindrucken, sie müssen auch eine Bedeutung für das Volk haben und auf einzelne Aspekte des Volkes wirken.

 

 

Physiognomie

 

Bitte schreibe nicht, dass da ein Ork vor dem Charakter steht und belasse es dabei. Ich kann mir zwar das eine oder andere unter einem Ork vorstellen, kenne aber auch viele unterschiedliche Darstellungen von Orks, weswegen ein paar Hinweise ganz nett wären. Beschreibungen bis ins kleinste Detail sind meist nicht nötig, die hervorstechendsten Merkmale reichen meist aus.

 

 

Umwelt

 

Wo das Volk sich aufhält, was es als Lebensraum für sich beansprucht, soll natürlich auch einen Einfluss haben. Der kann sehr tief gehen, wenn das Volk etwa sehr verbunden mit seiner Umwelt ist und heimische Tiere als Verbündete auftreten. Oder anders: Das Volk diese Tiere als verabscheuungswürdige Feinde ansieht. Das kann den Unterschied machen, ob man sie als Haustiere gehalten vorfindet oder aufgespießt am Eingang des Dorfes. In beiden Fällen sind sie präsent und Teil dieses Volkes. Auch einen Charakter kann man dadurch veranschaulichen, ob er mit seiner Umwelt im Einklang ist oder gegen sie ankämpft.

 

Selbst wenn der Einfluss nicht so stark ist, sollte die Umwelt doch bestimmen, welche Rohstoffe dem Volk zur Verfügung stehen, welche Nahrung es isst, ob es leicht reisen kann, wie es sich kleidet.

 

 

Psychologie

 

Schon durch die drei genannten Punkte können sich Aspekte der Seele dieses Volkes herauskristallisieren. Langsam sollte sich ein Bild ergeben, wie dieses Volk (im Allgemeinen natürlich, Individuen darf es auch haben) denkt. Wie es kommuniziert. Dinge wie eine merkwürdige Satzstruktur sind oberflächlich. Spricht es viel, drückt aber wenig aus? Spricht es wenig, gibt aber jedem Wort mehr Gewicht? Wonach sehnt es sich? Ist Heimat wichtig, unwichtig? Schätzt es Freunde und Familie oder hält es die persönliche Freiheit höher? Ist die Liebe flatterhaft und unbeständig oder für die Ewigkeit?

 

 

Stärken und Schwächen

 

Genau wie ein Charakter muss so ein Volk seine Stärken haben, um Konflikte bestehen zu können, aber auch seine eigenen Schwächen. Es gibt keine Spannung, wenn dieses Volk in jedem Konflikt mit seiner Umwelt und anderen Völkern ständig mühelos siegt. Gleichzeitig kann dieses Volk, wie auch ein Charakter in einer Geschichte, seine Stärken gut ausspielen und über seine eigenen Schwächen hinauswachsen. Etwas lernen, an sich arbeiten und somit Weltgeschichte schreiben.

 

 

Motivation

 

Natürlich hat der Charakter eines Romans immer eine Motivation. Um ihn dreht sich die Geschichte, sein Handeln treibt den Plot voran. Wir fiebern mit ihm mit, denn wir wollen sehen, ob er seine Ziele erreicht.

 

Genauso darf auch ein Fantasy-Volk nicht passiv sein, sich nicht die ganze Geschichte lang von anderen hertreiben lassen. Muss nicht bedeuten, dass es beständig mit anderen Völkern den Konflikt sucht. Jedoch sollte es in der Welt auf irgendeine Weise agieren. Ziele verfolgen. Das können eher harmlose Ziele sein, die einfach dem Wesen des Volkes entsprechen. Das Reisen und Handeln mag ihm liegen, deswegen findet man viele von diesem Händlervolk durch die Welt ziehen und Reichtümer anhäufen, unabhängig voneinander, weil es in seiner Natur steckt. Oder die schon genannten Dimensionsreisenden suchen nach einem Weg zurück. Der Herrscher dieses Volk strebt unablässig danach, die magischen Formeln zu sammeln und sein Volk teilt diese Aufgabe mit ihm.

 

 

Innerer Konflikt

 

Oder vielleicht doch nicht? Was einen Charakter spannend machen kann, sind innere Konflikte. Wie ein Charakter an sich selbst zweifelt, mit sich selber kämpft, an sich zu scheitern droht. Weil seine Ideale mit seinen Wünschen kollidieren. Weil es nicht schafft, mit seiner Umwelt im Reinen zu sein, obwohl er es um den Frieden willen doch möchte.

 

Auch in der Historie sind oftmals gerade die Konflikte die spannenden Ereignisse. Etwa der Aufstieg des Bürgertums, Adel gegen Klerus, die neolithische Revolution.

 

Ein Fantasy-Volk sollte kein monolithischer Block sein. Es muss auch mit sich selbst hadern können. Dazu sollte es aus unterschiedlichen Fraktionen bestehen, die miteinander im Clinch liegen, andere Ansichten haben, etwa wie man das oben genannte Ziel verfolgen kann. Oder andere Fraktionen haben sogar andere Ziele und dieses Volk zerbricht beinahe daran. Diese inneren Kräfte, die am Volk ziehen, es zu zerreißen drohen, geben ihm erst Komplexität und lassen es richtig lebendig erscheinen.

 

 

Diese Motivationen und Konflikte bilden bereits Geschichten an sich und selbst wenn sie nicht der Fokus des Plots sind, können sie doch faszinieren und fiktionale Völker greifbar machen.

 

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Die Dampfkanone

„Einmal trauten sie sich, auf die Mauern zu treten und sich das feindliche Heer anzuschauen. Die Hopliten füllten die Ebene vor der Stadt, aber mehr noch beunruhigten ihn die Dampfkanonen, diese unheilvolle Erfindung des genialen Mathematikers Somokles. Bronzene Kessel, die in einem mit glühenden Kohlen gefülltem Becken standen. Für diese Kohlen hatten sie das gesamte umliegende Land abgeholzt. Wenn sie Wasser in die Kessel gossen, verdampfte es sofort und der Druck schoss eine metallene Kugel hinaus.“
So heißt es in „Götterdunkel: Der Pakt des Toten Gottes“. Dabei muss ich eingestehen, dass ich mir das nicht selbst ausgedacht habe. Dieser Beitrag fällt unter die Kategorie „Inspiration“, es geht darum, wie man für solche scheinbar phantastischen Elemente Inspiration aus der tatsächlichen menschlichen Erfindungskraft schöpfen kann. Hierbei half mir der gute Archimedes.
Angeblich benutzte er solche Kanonen bei der Verteidigung von Syrakus gegen die Römer (212 v. Chr.). Ich las die Beschreibung bei Wikipedia Leonardo da Vinci, der auf Grundlage Archimedes' Beschreibungen die Architonnerre entwickelte.
Und im Prinzip funktioniert sie. Dr. Ioannis Sakkas baute eine funktionstüchtige kleine Version der Architonnerre. Auch die Mythbusters gingen der Dampfkanone auf den Grund (Folge 2 der Staffel 4). Die Dampfkanone im kleinen Maßstab funktionierte nach ein paar Versuchen, bei der großen Version hatten sie jedoch Probleme. Die Temperatur stieg nicht schnell genug an und es wurde Nacht. Sie schafften es nur, den Kessel auf 4,7 Bar anzuheizen, was nach ihrer Auffassung viel zu wenig war. Vor Sonnenuntergang schossen sie notgedrungen ab – und die 10kg schwere Kugel flog anderthalb Kilometer, viel weiter als sie erwartet hatten.
Und dann erklären sie den Mythos als zerstört, weil sie teilweise moderne Materialien verwendet hatten. Denn das musste bedeuten, dass weder Archimedes, noch Leornardo jemals eine funktionierende Dampfkanone hätten bauen können.
Zum Glück ließ die Dampfkanone die beiden nicht los und sie fragten später, ohne Kamera, beim MIT nach. Wieder gab es Experimente, diesmal mit originalgetreuen Kanonen und sie funktionierten. Nur erfährt man nichts genaueres darüber, denn:
Spielverderber.

 

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